Seit der Einführung der DSGVO 2018 sind Abmahn-Anwälte ein eigener Wirtschaftszweig geworden. Eine fehlerhafte Datenschutzerklärung, ein Tracking-Cookie ohne Consent, ein US-CDN ohne Vertrag — alles Risiken für teure Briefe.
Die gute Nachricht: Wenn du beim Hosting sauber arbeitest, sind 80 % der DSGVO-Hausaufgaben erledigt. Hier ist die komplette Checkliste, was du wirklich brauchst — und was Marketing-Geschwätz ist.
Was die DSGVO konkret will
Im Kern geht es um: Wenn du personenbezogene Daten verarbeitest, musst du das transparent, sicher und mit Rechtsgrundlage tun. „Personenbezogen“ ist dabei mehr als nur Name und E-Mail — auch IP-Adressen, Cookie-IDs und Browser-Fingerprints zählen.
Praktisch bedeutet das für deine WordPress-Site fünf Bereiche, die geregelt sein müssen:
- Hoster und Auftragsverarbeitung
- Cookie-Consent
- Externe Dienste (Schriften, Maps, Videos)
- Datenschutzerklärung und Impressum
- Sicherheitsmaßnahmen
1. Server-Standort: EU bedeutet nicht automatisch sicher
Klassischer Reflex: „Ich nehm einen deutschen Hoster, dann passt das.“ Stimmt — fast.
Kein Reflex zu US-Anbietern
Ein US-Anbieter wie GoDaddy oder Bluehost ist DSGVO-rechtlich kompliziert, selbst wenn die Server in Frankfurt stehen. Der CLOUD Act erlaubt US-Behörden, auf Daten von US-Unternehmen zuzugreifen — egal wo die Hardware steht. Schrems II hat das EU-US Data Privacy Framework bestätigt, aber das bleibt rechtlich wackelig.
Empfehlung: EU-Anbieter mit EU-Server
Sicher unterwegs bist du mit europäischen Anbietern und europäischem Server-Standort. Klassiker: Raidboxes (Münster), All-Inkl (Friedersdorf), IONOS (Karlsruhe), Hetzner (Falkenstein), mittwald (Espelkamp).
2. AVV mit dem Hoster — kein Optional, sondern Pflicht
Sobald dein Hoster Daten verarbeitet (und das tut er — schon allein durch Server-Logs), brauchst du einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV). Das ist Pflicht aus Art. 28 DSGVO.
Worauf achten:
- Verfügbarkeit: Bei seriösen deutschen Hostern als Download im Kundenkonto, oft online abschließbar.
- Liste der Subunternehmer: Wer hat sonst noch Zugriff (Backup-Provider, Monitoring)?
- Standort der Subunternehmer: Sind US-Dienste mit dabei? Dann brauchst du Standardvertragsklauseln.
Praxistipp: Speichere den AVV als PDF mit Datum. Bei Anfragen einer Datenschutzbehörde kannst du nachweisen, dass du den Vertrag tatsächlich abgeschlossen hast.
3. Sicherheitsmaßnahmen — was technisch gefordert ist
DSGVO Art. 32 verlangt „angemessene technische und organisatorische Maßnahmen“. Übersetzt für Hosting:
- SSL/TLS-Verschlüsselung: Jeder Hoster bietet heute Let’s Encrypt — keine Ausrede mehr.
- Regelmäßige Backups: Datenverlust ist meldepflichtig, daher Pflicht zur Vorsorge.
- Zugriffsschutz: 2-Faktor-Auth fürs Hoster-Panel, sichere Passwörter.
- Patch-Management: Server-Software aktuell, OS-Updates regelmäßig.
- Logging und Monitoring: Wer hat wann was gemacht?
Premium-Hoster mit ISO 27001-Zertifizierung haben das alles standardisiert dokumentiert — Pluspunkt im DSGVO-Audit.
4. Cookies und Tracking — der schwierigste Teil
Hier sehe ich in der Praxis die meisten Fehler. Die Regel ist einfach:
Tracking-Cookies und externe Tracking-Dienste dürfen erst NACH aktiver Einwilligung gesetzt werden.
„Aktiv“ heißt: Der Nutzer klickt auf „Akzeptieren“. Vorausgewählte Häkchen oder „Weiter scrollen heißt zustimmen“ sind nicht erlaubt (EuGH-Urteil Planet49).
Was brauchst du?
- Cookie-Consent-Plugin: Standards sind Real Cookie Banner (sehr empfehlenswert für DSGVO) oder Borlabs Cookie.
- Korrekte Konfiguration: Tracker dürfen WIRKLICH erst nach Consent laden. Ausblenden reicht nicht — sie dürfen nicht starten.
- Kategorien anbieten: Notwendig / Statistik / Marketing — getrennt zustimmbar.
5. Google Fonts: lokal hosten
Ein Klassiker der Abmahnwelle 2022/2023: Google Fonts vom CDN laden. Das überträgt die IP des Besuchers an Google in die USA — ohne Einwilligung. Im Januar 2022 verurteilte das LG München genau das.
Lösung: Google Fonts lokal hosten. Plugin OMGF macht das mit einem Klick. Oder manuell:
- Auf
fonts.google.comdie gewünschte Schrift auswählen - Über google-webfonts-helper die WOFF2-Dateien herunterladen
- Ins Theme legen, per
@font-faceeinbinden - Filter im Functions:
elementor/frontend/print_google_fontsauf false
6. Externe Dienste: Maps, Videos, Social Embeds
Jedes externe Embed lädt potenziell Cookies und überträgt IPs. Drei Strategien:
- Consent-Lösung: Inhalte erst nach Klick laden („Inhalt von YouTube laden“)
- Lokale Alternative: Statt Google Maps z. B. OpenStreetMap mit Leaflet
- Self-Hosted: Videos auf eigenem Server statt YouTube-Embed
Plugin-Empfehlung: Real Cookie Banner hat „Content Blocker“ für YouTube, Vimeo, Maps eingebaut.
7. E-Mail-Versand DSGVO-konform
Kontaktformulare, Newsletter, Bestellbestätigungen — alle versenden personenbezogene Daten. Drei Punkte:
- SMTP statt PHP-mail(): Plugin FluentSMTP oder Post SMTP. Saubere Verschlüsselung, AVV mit dem Mail-Provider.
- Newsletter-Tools: Brevo (DE-Server), CleverReach (DE), Mailjet (FR) statt Mailchimp (US).
- Double-Opt-In: Pflicht für Newsletter — keine Ausnahmen.
8. Datenschutzerklärung und Impressum
Beides ist von jeder Seite aus erreichbar zu verlinken (meist im Footer). Die Datenschutzerklärung muss alle eingesetzten Dienste auflisten — Hoster, CDN, Analytics, Embed-Dienste, Plugins mit externen Verbindungen.
Generatoren wie eRecht24 oder Datenschutz-Generator.de liefern brauchbare Templates. Plugin WP Auto-Datenschutz oder iubenda für automatisches Update bei Änderungen.
9. Was ein DSGVO-tauglicher Hoster anbieten muss
Checkliste für deinen Hoster-Vergleich:
- Server-Standort EU (Deutschland ideal)
- AVV als Download verfügbar
- SSL inklusive (Let’s Encrypt)
- Tägliche Backups
- Verschlüsselte Verbindung zum Backend (HTTPS, SFTP)
- Trennung der Kunden-Daten (kein gemeinsamer DB-User)
- ISO-27001-Zertifizierung als Bonus
- Klare Privacy-Policy des Hosters
- EU-rechtlicher Sitz des Anbieters
Was du NICHT brauchst
Marketing-Slogans, die nichts wert sind:
- „DSGVO-zertifiziert“ — gibt es offiziell so nicht
- „BSI-Grundschutz“ — meist Selbstauskunft, nicht zertifiziert
- „100 % Datensicherheit“ — gibt es nicht
Praktischer Ablauf
Wenn du DSGVO-Hygiene neu aufsetzt:
- Hoster wählen mit EU-Sitz und AVV-Verfügbarkeit
- AVV abschließen, PDF speichern
- SSL aktivieren, alles auf HTTPS
- Cookie-Banner installieren und konfigurieren
- Google Fonts lokal hosten
- Externe Embeds mit Consent-Schicht versehen
- SMTP-Versand einrichten
- Datenschutzerklärung + Impressum erstellen, im Footer verlinken
- Verarbeitungsverzeichnis intern dokumentieren
- Bei sensiblen Daten: TOM (technisch-organisatorische Maßnahmen) dokumentieren
Klingt nach Arbeit — ist es auch, einmalig 1–2 Tage. Danach läuft es. Und du schläfst ruhiger.